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Balboa und das Meer des Südens

Balboa

Balboa, der ohne Rang oder Namen zusammen mit Kapitän Enciso und mehreren Schiffen an der Küste vor Cartagena aufgetaucht war, spielt in der Geschichte von Panama eine herausragende Rolle.

Die Spanier folgten dem Rat von Balboa, der erzählte, dass in einer Gegend an der Küste des Golfs von Darien (Golf von Urabá) die Böden fruchtbar seien und die indigenen Bewohner keine Giftpfeile benutzen würden. Zusammen mit Enciso gründete er im Jahre 1510 eine der ersten festen Siedlungen des amerikanischen Kontinents, Santa María la Antigua in Darién.
Der Widerstand der indigenen Bevölkerung wurde gebrochen und die kleine Siedlung errichtet. Erster Alcalde Mayor (Bürgermeister) wurde Enciso. Der damalige Hauptmann und spätere Eroberer des Inkareiches, Pizarro, erhielt die militärische Befehlsgewalt. Auf den Streifzügen in den dichten Regenwald begleitete in Balboa, die Zwei verstanden sich gut. Die Beute wurde jeweils nach Abzug des Königsfünftels Rang und Leistung entsprechend aufgeteilt.

Der ehrgeizige und überhebliche Enciso, der ein straffes Regime führte, blieb ein Fremder unter seinen Leuten. Er verbot den Männern mit den Eingeborenen um Gold zu handeln, illegaler Handel wurde mit dem Tod bestraft. Die strengen Regeln ärgerten die Kolonisten. Balboa hingegen gewann mit seinem kameradschaftlichen Verhalten Sympathien. So wählten die etwa 180 Mann der Siedlung schon bald Balboa zum neuen Alkalden.
Es wurden Häuser, Kirche und Ratshaus erbaut und die Beziehungen zu den Eingeborenen durch Pizarros Waffen und Balboas diplomatischen Geschicks mit der Zeit freundschaftlich. Die Frauen der indigenen Ureinwohner gingen gerne zu den Kolonisten, da sie im eigenen Stamm unterdrückt wurden. Nicht selten wurden die Spanier von den indianischen Frauen gewarnt, wenn irgendeine Gefahr drohte. Sie lernten das Land und seine Früchte kennen, die Knollen des Maniok, den Mais, die Früchte der Bäume. Aber auch die Gefahren und Schönheiten des Dschungels, die giftigen Schlangen, die unheimlichen Wildkatzen, Affen, Kolibri und Papageien.

Balboa, gerade erst 35 geworden, war inzwischen Kommandant über etwa 250 Spanier. Um seine Stellung zu untermauern, unternahm er zusammen mit Pizarro Vorstöße ins Hinterland, vor allem auf der Suche nach wertvollem Edelmetall. Darunter war auch eine Expedition zum Delta des Rio Atrato, der etwa vierzig Kilometer südlich ins Karibische Meer mündet und wo die Eingeborenen in Bäumen lebten. Hoch oben in den Bäumen waren stabile Plattformen mit Wänden und Dächern errichtet worden, welche vor den Überschwemmungen in diesem Flussdelta schützten. In der Nacht und bei Gefahr wurden die Hängeleitern hochgezogen.
Sie stießen auch auf das wohlhabende Dorf Comagre, wo sie den gleichnamigen Kaziken und viele seiner Leute tauften. Der Kazike erzählte von einem Land hinter den Bergen, von wo aus sich ein anderes Meer erstrecke. Als Balboa das hörte, umarmte er den Kaziken, auf genau diese Nachricht hatte er gewartet. Anfangs September 1513 machte sich Balboa zusammen mit 190 ausgewählten Männern und einem Rudel Bluthunden auf die Suche nach diesem Meer. Sie segelten mit den Schiffen nordwärts bis zum Territorium des Kaziken Careta. Hier schlossen sich ihnen etwa tausend Eingeborene an und sie marschierten über Land durch dichten Regenwald. Die indigenen Gruppen, auf die sie unterwegs trafen, waren schnell besiegt. Schon bald verbreitete sich die Nachricht vom Heer der weißen Götter und fürchterlichen Donnerrohre unter den indianischen Stämmen. Auch an den Konquistadoren ging diese beschwerliche Expedition nicht spurlos vorüber. Durch Kämpfe und Krankheiten verlor Balboa fast zwei Drittel seiner Männer.

 

In tiefer Nacht erreichten sie den bewaldeten Hügel, von dessen Gipfel das unbekannte Meer zu sehen sein sollte. Kurz unterhalb des Gipfels ließ Balboa seine Männer haltmachen. Einsam und schwitzend stieg er die letzten Meter bergan, bis sich auf einmal die unendliche Weite des Pazifischen Ozeans vor ihm ausbreitete. 

Es war der 25. September 1513, als der erste Europäer das größte Meer der Welt erblickte und ihm den Namen "Meer des Südens" gab. Bei Flut watete Balboa mit einer spanischen Flagge, einer Fahne mit dem Wappen von Leon und Kastilien und einem Kreuz ins salzige Wasser. Im Namen von Don Fernando und Doña Juana, Herrscher von Kastilien, Leon und Aragon, nahm er das Meer und alle Ufer welches es berührt in ewigen Besitz.  

 

 

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